Frühstück am Rhein: ein Mikroabenteuer-Quickie

Für dieses Wochenende habe ich mir vorgenommen einiges zu erledigen. Da bleibt eigentlich keine Zeit für ein Mikroabenteuer. Eigentlich! Da für mich ein Mikroabenteuer keine bestimmte Länge haben muss, sondern es eher ums Gehen neuer Wege – sowohl im Außen als auch im Innen – geht, habe ich heute einen Mikroabenteuer-Quickie eingeschoben. In mir hat es trotz der Kürze viel ausgelöst.

Ich koche mein Porridge, so wie fast jeden Tag und presse mir aus einer Orange einen O-Saft. Das Ganze kommt in meinen Rucksack und warm eingepackt spaziere ich zum Rhein, meinem alten Kumpel. Sobald ich raus will, zieht es mich an diesen Fluss. In zehn Minuten bin ich auf einer Parkbank mit Blick auf den Rhein angelangt. Da es noch so früh ist, färbt sich der Himmel gerade in den schönsten Farben und außer mir kommt nur mal ein Jogger vorbei oder jemand der mit dem Hund Gassi geht. Sonst herrscht hier friedliche Menschenleere.

Während ich mein noch warmes Porridge in der kalten Luft löffele, kommen mir ein paar Gedanken, die ich während der vollen Arbeitswoche nicht an mich rangelassen habe: Krankheit und Tod. Ich hatte in der letzten Zeit ein paar Wehwehchen. Ich wähle dieses Wort, weil es besagt, dass es nichts Schlimmes war. Dennoch hat es mich beschäftigt und etwas eingeschränkt. Ein Grund also, genervt zu sein. 😉 Doch was mich wirklich beschäftigt ist, dass im Kollegenkreis kürzlich zwei Menschen gestorben sind. Beide an einer Krankheit, recht plötzlich. Beide um die 30, eigentlich mitten im Leben stehend. So wie ich. Und im Bekanntenkreis hat eine Frau – auch in meinem Alter – Krebs. Das rüttelt an der trügerischen Sicherheit, jung zu sein und, dass der Tod erst viel viel später kommt. Und ich bin von meinen Wehwehche genervt… Das gibt mir zu denken.

Wir gehen meist davon aus, dass wir noch ewig Zeit haben; die Lebenserwartung steigt. Der Gedanke, dass es anders sein könnte, ist sehr schmerzhaft und beängstigend. Also weg damit! Doch Fakt ist, wir wissen es nicht. Wir wissen nicht wann wir gehen werden. Wenn wir ganz ehrlich sind, wissen wir nicht einmal was in der nächsten Stunde passiert. Wir versuchen alles abzusichern. Den Job mit festen Verträgen, die Liebe mit der Heirat und alle potenziellen Risiken mit Versicherungen. Doch es gibt keine Sicherheit, denke ich mir während ich aufs Wasser schaue, das entspannt dahin fließt. An jedem Tag. Ob es stürmt, ob es schneit, egal was wir Menschen am Ufer machen bzw. ob wir überhaupt da sind… Das Wasser bahnt sich einfach seinen Weg. Vorbei an Felsen, unter Brücken hindurch, bis es irgendwann ins Meer fließt und zu etwas Größerem wird.

Krankheit und Tod werden uns immer schockieren. Davor kann man sich nicht schützen. Es kommt ein Anruf, eine Diagnose oder ein Unfall und dein Leben ist nicht mehr das was es war. Aber war es das jemals? Ist es nicht in jedem Moment neu? Und haben wir nicht in jedem Moment die Chance es als gigantisches Wunder zu sehen, unsere Sicht auf die Dinge zu ändern und uns für Frieden in uns und mit den Geschehnissen um uns zu entscheiden?

Ich packe meine Tupperdosen ein und ziehe den Rucksack an. Auch wenn ich keine Antwort auf viele Fragen habe: Warum er? Warum sie? Warum schon jetzt? (…) weiß ich wie ich mit dem Leben umgehen möchte: Anstatt aus Angst vor Krankheit und Tod in den Verdrängungsmodus zu schalten, entscheide ich mich für das Gegenteil. Ich möchte es als Teil des Lebens sehen und als Antrieb, aus jedem Tag das Beste zu machen. Das heißt auch, mir für kleine Abenteuer Zeit zu nehmen, wenn vermeintlich keine vorhanden ist.

Eckdaten:

  • Ort: Mainz-Neustadt, Rheinufer
  • Zeitaufwand: 30 bis 60 Minuten

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