Das Abenteuer in uns selbst

„Du hast den Saft in diiir“, schrie Joghurt im legendären Film „Spaceballs“, als Lonestars Ring abhanden kam. Lonestar dachte, er sei ohne diesen Ring verloren und hätte keine Kraft mehr. Doch das stimmte nicht. Die Star Wars-Parodie zeigt, was auch in der aktuellen Krise wichtig ist: Es kann dir nichts weggenommen werden, was in dir ist.

Bei mir war der „Saft“ auch erstmal weg, als mir meine Freiheit genommen wurde. Die im Minutentakt auf mich einprasselnden Negativmeldungen, die fehlende Bewegung, keine Veranstaltungen, kein geplanter Urlaub, die Unsicherheit was die Gesundheit angeht, wie dieser ganze Wahnsinn weitergeht – all das hat mich sehr gestresst und auch gesundheitlich geht es mir gerade nicht so gut. Es ist momentan ganz wichtig, in sich hineinzuhören: Wie viel Corona-News tun mir gut und was belastet mich eher? Wenn du beruflich nicht dazu gezwungen bist, dich ständig mit dem Thema zu beschäftigen, empfehle ich ein bis zwei Mal am Tag News zu Corona zu konsumieren und deinen Fokus ansonsten auf andere Dinge zu lenken. Denn das stärkt dich und vielleicht kannst du dann Menschen in deinem Umfeld helfen und diese Ausnahmesituation auf andere Art für dich nutzen.

Ich finde es auch total wichtig, sich auch jetzt ausreichend zu bewegen. Selbst in häuslicher Quarantäne ist es – wie ich nach ein paar Tagen erfahren habe – erlaubt, spazieren oder joggen zu gehen. Laufen an der frischen Luft in Kombination mit ein paar Yoga- oder Kraftübungen zuhause – da sieht die Welt schon ganz anders aus. Hast du vielleicht schon länger Dinge aufgeschoben, die du nun angehen kannst? Ich habe da noch ein paar Punkte auf meiner Liste, um die ich mich am Laptop kümmern kann. Bücher, Filme, Serien, Podcasts – dank des Internets gibt es unzählige Unterhaltungs- und Bildungsangebote. Wenn du einen Quarantäne-Buddy oder eine Familie hast, dann eignen sich meiner Meinung nach Brettspiele super. Es macht viel Spaß und man beschäftigt sich miteinander.

Wir fingen mit „Ubongo“ an und landeten bei Schach. Ich hatte das vorher nie gespielt und startete erstmal so, dass ich immer wenn ich an der Reihe war, versucht habe anzugreifen. Wie ich gelernt habe, schaut man beim Schach aber zuerst welche Spielfiguren in Gefahr sind und geschützt werden sollten. So ist es auch in der aktuellen Situation: Schau, dass es dir gut geht, dass du alles hast, was du brauchst (und damit meine ich nicht 10 Packungen Klopapier ;-P) und wenn das gesichert ist, schau wie du deine Mitmenschen unterstützen kannst.

cofDiese Zeit eignet sich wunderbar zur Entschleunigung. „Langsamkeit bietet dir die Chance, das was wir tun, auch zu erleben“ (Henriette Hanke) Ich hetze ständig durch den Tag, bin mit meinen Gedanken schon drei Schritte weiter. Jetzt ist die perfekte Gelegenheit alles in Ruhe zu machen. Horche in dich rein: Was fühlst du? Was tut dir gerade gut? Was ist dir wichtig? Mache die Dinge langsam und alles ist ein Abenteuer!

Auch wenn vieles von dem, worauf du dich gefreut hast, nun nicht stattfinden kann, gibt es immer noch Tausend Dinge für die man dankbar sein kann. Dabei hilft mir zum Einen, mir bewusst zu machen, wie viel schlechter meine Situation noch sein könnte und zum Anderen das, was in meiner Macht steht zu verbessern. Positiv zu denken heißt nicht, dass man die ganze Zeit fröhlich sein muss. Es heißt eher, dass man an harten Tagen weiß, dass bessere kommen werden. Dann sieht man auch wieder die Möglichkeiten, die in jeder zunächst aussichtslosen Situation liegen.

Abschließen möchte ich heute mit einem wunderschönen Gedicht von Rainer Maria Rilke. Egal, ob du gerade gesundheitlich angeschlagen bist, du die eingeschränkte Freiheit schwer verträgst oder dich andere Sorgen plagen. Eins ist sicher, es geht vorüber, es braucht manchmal nur ein bisschen Geduld. Und die liegt in uns. In unserem Innern können wir alles erschaffen.

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte
Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

 – Rainer Maria Rilke

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